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Von der schwierigen Beziehung zu Männern und davon, wie sich Privatbeziehungen und Prostitution vermischen

    Autorin: Hilde //

     

    Ich habe bereits mehrfach im Ellaforum von schwierigen Beziehungen zu Männern gelesen.
    Und es ist schwierig – weil ich drum weiß, wie das System mit der Anziehung funktioniert.
    Und auch ich meinen Weg gegangen bin und noch gehe.

    Aber hin und wieder tut es mir weh, was ich hier lese und es tut mir Leid.
    Ich bin betroffen und es schmerzt.
    Und weiß doch, jede von uns muß ihren eigenen Weg gehen. Durch jedes einzelne Tal und jeden Schmerz.

    Und sowieso bin ja auch ich längst noch nicht angekommen; heil…
    Auch ich selbst renne noch gegen mehr als zu viele Wände und muß noch lernen.

    Meinen ersten Mann lernte ich kennen mit 16.
    Gerade raus aus dem langjährigen und dauerhaften Mißbrauch im Elternhaus hielt ich Gewalt für normal.
    Mein (1.) Mann kam aus einer Trinkerfamilie. Die Mutter war gestorben, als er 12 war und er vermutete, der Vater habe die Mutter in den Tod getrieben.
    Auch er kannte nur Gewalt.
    Wir waren 2 Menschen, die keine Ahnung von Liebe hatten.

    Mein Kind gebar ich ihm, weil er dies von mir verlangte.

    Mein Mann zwang mich damals mit Drohungen und Gewalt in die Prostitution.
    Er wichste sich eins vor unserer Schlafzimmertüre während die Freier mich fickten; trank mit ihnen hinterher Kaffee; redete mit ihnen darüber, wie geil ich sei und nahm dann mein Geld, um es zu anderen Huren zu tragen – weil ich so scheiße war.
    Und mein Kind weinte währenddessen in ihrem Zimmer, weil es fühlte, dass etwas falsch war. Es war ca. 1 Jahr alt.

    Er versuchte 2x mich umzubringen; vergewaltigte und schlug mich ständig – oder ignorierte mich tagelang, wenn ich nicht “brav” war.

    Ich übernahm ihm alle Schulden.
    Zahlte sämtliche laufenden Kosten und jedwelchen Luxus den er wollte.

    Und trotzdem hielt ich das alles für Liebe.
    Wir waren 8 Jahre zusammen.
    Und als ich ging, hatte ich 28 Gläubiger.

    Als ich ihn verließ, hatte ich hierzu nur den Mut, weil da bereits ein anderer Mann war.
    So wundervoll, weltgewandt und erfahren.
    Er war fast 30 Jahre älter als ich.

    Dieser Mann versuchte NICHT, mich zu töten.
    Er schlug mich NICHT.
    Aber er konnte wunderbar mit Worten schlagen, verletzen und manipulieren.
    Mich erniedrigen und formen, wie er es brauchte.

    Auch für ihn schaffte ich an.
    Auch ihm zahlte ich sämtliche Lebenshaltungskosten und Schulden.
    Nach 3 Jahren ging ich – und war stolz, dieses Mal keine 8 Jahre mehr gebraucht zu haben.

    Es folgten 2 Jahre, in denen ich nahm, was kam.
    Ich hatte Angst, alleine zu sein.
    Hielt mich für zu dumm, zu blöd, zu bescheuert und lebensunfähig, um ohne Mann existieren zu können.
    Meist war ich 2.-Frau.
    Und ich hielt es für etwas besonders Tolles, dass verheiratete Männer mich so viel besser fanden, als die eigene Ehefrau.
    Ich fühlte mich hochgradig überlegen und ganz besonders wertvoll.
    Und sobald solche Männer anriefen und Sex wollten, legte ich mich bereit.
    Egal, ob tagsüber oder mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen.

    Ich glaubte mich unabhängig, selbstbewußt, stark und frei.
    Und merkte nicht, wie sehr sie mich benutzten.

    Irgendwann fiel mir dann aber doch auf, dass etwas nicht stimmte.
    Und ich hatte eine Zeitlang immer 2 Jahre lang keinen Mann – um es wieder mal zu versuchen – und wieder 2 Jahre alleine zu sein.

    In dieser Zeit veränderten sich auch die Männer, die ich wählte.
    Vorallem, DASS ich wählte.
    – zuvor hatten die Männer immer MICH gewählt.

    Und nach und nach wurden sie besser.
    Die Gewalt und die Benutzung meines Körpers gegenüber reduzierten sich zunehmend.
    Sie waren inzwischen oft unbewußt – nicht mehr absichtlich und gezielt.

    Doch schon als Kind hatte man mir beigebracht, dass ich in meinem Leben niemals etwas kostenlos bekomme.
    Dass ich IMMER bezahlen muß
    IMMER in Vorkasse gehen muß
    IMMER zuerst etwas GEBEN muß
    – weil ich es niemals Wert sein werde, etwas GESCHENKT zu bekommen.

    Und so gab ich meinen Männern immer alles, was ich hatte.
    Völlig selbstverständlich machte ich ihnen den Haushalt; ließ mich sexuell benutzen und gab ihnen mein Geld.

    Dafür bekam ich ja schließlich deren Liebe.
    Und meine Sexualität war ohnehin so dermaßen mutiert, dass ich auf Zuruf innerhalb von 1-2 Minuten einen Höhepunkt haben konnte.
    Schließlich brauchen das Männer ja – dieses Erfolgserlebnis, gute Ficker zu sein.
    Und mit diesem oder jenem Knöpfchen; Phantasiechen und Schönmalen war es ja auch ganz einfach für mich, den Männern diesen (meinen) Höhepunkt zu schenken. Man hatte mich ja bereits als Kind auf sowas trainiert.

    Es ist so verdammt traurig, was man alles für Liebe zu halten vermag, wenn man wirkliche Liebe noch nie im Leben erfahren hat.

    Als ich nun meinen jetzigen Mann kennenlernte, war alles anders.

    Es gab nichts, das er so gewollt hätte, wie die Männer zuvor.
    Mein trainierter Sex gefiel ihm nicht.
    Mein Geld wollte er nicht.
    Meine Unterwerfung wollte er nicht.
    All jenes wollte er nicht, das Männer mir zuvor antrainiert hatten, um mich benutzen zu können.
    Er fühlte sich schlecht dabei und traurig.

    Und seitdem bewegen wir uns auf dem Weg der Heilung.
    Was sehr oft auch schwierig ist – weil wir begreifen, was Scheiße ist. Aber oft nicht wirklich wissen, wie es GUT wäre.

    Und sehr oft weinen wir – manchmal einzeln und manchmal auch gemeinsam – weil wir gegen Wände rennen, uns weh tun und doch die Türe nicht finden.

    Gestern bei der Therapie hatte ich ansich das Thema “Glaubenssätze” angesprochen.

    Von den Glaubenssätzen meines Mannes kam sie auf MEINE.
    Mein Glaubenssatz war “Geld ist nur buntes Papier”.

    So kamen wir auf WERT.

    Und ich begreife nun, dass ich SELBST mir nie Wert war.

    Dass all der alte Mist noch immer in mir steckt.
    Keine Liebe wert.
    Kein Geld Wert.
    Keine Mühe Wert.
    Kein Vertrauen Wert.

    Ich merke, wie sehr Beziehungen zu anderen Menschen auch zu tun haben mit der Beziehung zu sich SELBST.

    Doch – gewußt habe ich das schon lange.
    Mit dem Intellekt begriffen, verstanden und analysiert.
    Je heiler ich werde, desto heiler wird auch das Gemeinsam mit anderen.

    Aber gefühlt… gefühlt habe ich es noch nie.

    Ich bin heute sehr traurig.
    Es tut mir in mir selbst sehr Leid.
    Mir selbst Wert sein…. – welch eine Mamutaufgabe.

    Und auch wie viel Streit, Schmerz und Gespräche mit meinem Mann, die noch auf uns zukommen werden.

    Früher hatten Männer oft gerne zu mir gesagt, ICH HÄTTE SIE DOCH ERST ZU ZUHÄLTERN GEMACHT.

    Kann man jemanden zu etwas machen, das er im Innen garnicht ist?!
    Hätten sie nicht alle die selbe Wahl gehabt, wie mein jetziger Mann?
    Hätten sie nicht einfach ebenso NEIN sagen können?

    Aber ja – ich denke durchaus, dass mein zerstörtes, konditioniertes und mutiertes Innen versucht hat, meine Lebenspartner dahin zu formen, dass sie wurden wie jenes, das ich kannte.
    Das ich gewohnt war.
    Auch aus Angst vor Neuem. Und vor all den Seelenschmerzen, die Heilung mit sich bringt.

    Was sagt die Therapie immer?
    Andere kann man nicht ändern. – Sobald Du jedoch dein eigenes Innen änderst, änderst Du damit auch alles Außen.

    Ich wünsche Euch von Herzen schnelle Heilung im Innen – auf dass uns allen im Außen das Zerstörte nichts mehr anhaben kann.

    (c) Hilde (nach fast 35 Jahren Gewalt)

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