Alle Artikel in: Texte

Anlässlich der Corona Krise in Berlin, hier eine gemeinsame Stellungnahme vom Netzwerk Ella, Sisters e.V. Ortsgruppe Berlin und Neustart e.V.

„Keine Kriminalisierung der Prostituierten – Hilfen für Frauen in der Prostitution“ Stellungnahme zur Schließung aller Prostitutions-stätten in Berlin im Zuge der Corona-Pandemie Wir sind eine Gruppe von Menschen, die sich für die Rechte und soziale Absicherung von Frauen in der Prostitution einsetzt. Gemeinsam stehen wir für die Berliner Ortsgruppe des Vereins SISTERS – für den Ausstieg aus der Prostitution! e.V., den Verein Neustart e.V. (mit Kontaktcafé in der Kurfürstenstraße) und das Netzwerk Ella, eine Aktivistinnengruppe für Frauen aus und in der Prostitution. Gemeinsam haben wir das Ziel, das Nordische Modell in Deutschland zu implementieren und Frauen bessere Perspektiven zu bieten. Wir begrüßen das Vorgehen des Berliner Senats, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Alle strengen Maßnahmen sind wichtig, um einen Zusammen-bruch des Gesundheitssystems zu vermeiden. Ältere, schwächere, immun-supprimierte und andere vulnerable Gruppen müssen jetzt geschützt werden. Es ist unser aller Pflicht, soziale Kontakte und Unternehmungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren.Folgerichtig hat der Senat heute mit seiner „Verordnung über Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 in Berlin“ im Absatz 1, Paragraph 2, Absatz 4 …

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Corona & Prostitution

Autorin: Huschke Mau Ihr Lieben, als Exprostituierte möchte ich heute dringend etwas sagen. Weil andere Frauen in der Prostitution es gerade nicht können. Die haben nämlich gerade mit was anderem zu tun… Mit Überleben. Corona hat unser Sozialleben aktuell fest im Griff, und ich begrüsse alle Massnahmen der Regierung und der Länder, die getroffen worden sind (wenn auch sehr spät), und hoffe, ihr seid alle schön vernünftig und isoliert euch, soweit es geht, um Ältere, Menschen mit Immunschwäche, Krebs, anderen Vorerkrankungen usw. nicht zu gefährden. Es gilt jetzt, solidarisch zu sein, solidarisch vor allem mit vulnerablen Gruppen. Und genau darüber möchte ich jetzt sprechen. Denn Frauen in der Prostitution, und zu diesen gehöre ja auch ich, sind auch eine vulnerable Gruppe, und die Frage ist, welche Massnahmen jetzt im Hinblick auf diese Gruppe als solidarisch gelten können. Die Stadt Stuttgart hat Prostitution gerade wegen des Coronavirus VERBOTEN, und bevor ihr jubelt: das ist eine Katastrophe. Ich erkläre, warum: Die Prostitutionslandschaft in Stuttgart besteht, wie fast überall, zu 80 bis 90% Zwangs- und Armutsprostituierten aus Südosteuropa. …

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“Fuck foward” vom Radio 1 Live (WDR) – eine Erwiderung von Susan

Autorin: Susan // Podcasts sind eine tolle Sache, um dem Hörer spannende Geschichten und bewegende Reportagen nahezubringen. Ich liebe sie und höre bei jeder Gelegenheit. Die letzten Sendungen allerdings ließen mich verzweifelt zurück: das Format “Fuck foward” vom Radio 1 Live (WDR) stellt sich ziemlich prostitutionsverherrlichend dar. Ist das gewollt? Völlig unkritisch werden Frauen interviewt, die dem Wunsch des Senders offenbar nahekommen, Prostitution als eine schöne Jobalternative dastehen zu lassen. Fakten zum schwedischen Modell und die harten Tatsachen der Prostitution (Gewalt, Zwang, Ausbeutung) werden totgeschwiegen. Ich habe daher einen Brief geschrieben, lest selbst: Sehr geehrtes Team von Radio 1Live, ich bin Susan vom Netzwerk Ella, einer unabhängigen und säkularen Interessensvertretung für Frauen aus und in der Prostitution. Wir sind die einzige Survivorinitiative in Deutschland und setzen uns für die Implementierung des nordischen Modells ein, welches bereits in anderen europäischen Ländern umgesetzt wird. Sexkauf ist von unserem Standpunkt aus betrachtet Gewalt, und zwar gegen die Frau, welche die sexuellen Handlungen gegen Geld für Freier erbringen muss. Niemals hat die Frau wirklich einen Handlungsspielraum und muss die …

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Prostitution als Geschäft

Autorin: Maya // Ich möchte im Folgenden erklären, warum Prostitution so lukrativ ist für den Staat, die Wirtschaft und auch für kriminelle Strukturen. Nicht lukrativ ist es für die Verlierer dieses Systems: die Prostituierten selbst. Dass Prostitution kriminelle bereichert muss ja nicht groß erklärt werden. Im Gegensatz zu anderen kriminellen Gütern / Dienstleistungen ist die Prostitution das Geschäft, was das geringste Risiko für Mafia und Zuhälter bedeutet: Für die Prostituierte muss oft nicht gezahlt werden, wie zB. für den Kauf von Drogen oder Waffen zum Weiterverkauf. Oft kommt sie “freiwillig” mit – mit der Hoffnung auf einen anständigen Job im hochgepriesenen Westen, weil sie sich in den Zuhälter verliebt hat, oder weil die Familie bitterarm ist und sie sich für diese opfern möchte / muss. Da ein Großteil der Prostituierten aus EU Ländern sind, insbesondere Rumänien, Bulgarien und Ungarn müssen keine Pässe gefälscht werden. Man nimmt sie einfach im Auto mit über die Grenze. Die Prostituierte bringt sofort – d.h. gleich am ersten Tag – Einnahmen ein. Auch eine Straße / ein Autobahnparkplatz reicht aus, …

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Das Leben nach der Prostitution: äußerlich angepasst, innen Gewitter

Autorin: Malina // Ich bin Malina, Anfang 20 und komme aus Wien. Ich möchte hier meine Erfahrungen mit Prostitution schildern, sowie meinen Ausstieg. Ursprünglich kommt meine Familie aus diversen Ecken Osteuropas und ich selbst habe in einem osteuropäischen Land die Kindheit und Jugend verbracht. Meine Familie war schwierig, Mein Vater hatte Probleme mit Alkohol und Aggression, meine Mutter war (auch deswegen) psychisch krank. Ich war ein ungeplantes Kind und meine biologischen Eltern hatten nicht wirklich die Ressourcen, sich um mich zu kümmern, an der emotionalen Bindung mangelte es bei uns auch. Ich wanderte vom Verwandten zu einer anderen Verwandten, Gewalt war bei uns Teil der familiären Struktur, psychisch, körperlich, intim. Bis zu meiner Pubertät war ich gebrochen. Jetzt weiß ich, dass wir keine Gläser sind und doch nicht so einfach zu brechen, aber ich habe mich auf jeden Fall so gefühlt: Ich war depressiv, fühlte mich wertlos, sah alles Schlechte als meine Fehler an. Große Teile meiner Jugend habe ich in einem Internat für Schülerinnen verbracht und musste die Herausforderungen des Alltags als Teenagerin irgendwie …

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Warum die legalisierte Prostitution Prostituierte kriminalisiert

Autorin: Sophie // Ich bin Sophie vom Netzwerk Ella, einer Interessensvertretung für Frauen aus der Prostitution, die sich für das Nordische Modell einsetzt. Vor drei Jahren habe ich den Ausstieg geschafft, nachdem ich von meinem 14. bis zum 22. Lebensjahr in der Prostitution war. Wir vom Netzwerk Ella waren oder sind alle selbst in der Prostitution und haben erkannt, dass der Kauf von Sex Gewalt ist. Aus diesem Grund fordern wir ein Sexkaufverbot und Ausstiegshilfen für Frauen, die aktuell in der Prostitution sind, sowie gesellschaftliche Aufklärung und die Entkriminalisierung der prostituierten Frauen. Von der Pro-Prostitutionslobby wird uns im Zuge dieser Debatte häufig vorgeworfen, dass wir uns für eine Kriminalisierung der Prostituierten einsetzten, was ein unsolidarischer Akt sei. Dieser Vorwurf ist schlichtweg falsch und nichts weiter als ein Schachzug aus der Trickkiste der Schwarzen Rhetorik. Das Gegenteil ist der Fall: Das Nordische Modell ist die Entkriminalisierung der prostituierten Frau (Männer sind natürlich mitgemeint!) und im Gegensatz dazu ist die legalisierte Prostitution ihre Kriminalisierung. Warum das so ist, möchte ich anhand von einigen Beispielen erklären. Häufig argumentieren …

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Brief an den innenpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Martin Luthe

Autorin: Mimi // Der FDPler Martin Luthe hat angefragt, warum “so wenig” Prostituierte in Berlin Steuern abführen – nämlich nur 50.000 Euro im Monat. Das ist ihm zuwenig. Er beklagte im Artikel in der Berliner Morgenpost, vor allem auf dem Strassenstrich Kurfürstenstrasse würden Steuern hinterzogen. Es ist absurd, dass ihn an diesem Elends-, Baby- und Drogenstrich nicht etwa die offensichtliche Zwangsprostitution stört, sondern, dass die dort ausgebeuteten Frauen keine Steuern abführen. (Vielleicht, weil sie alles ihrem Zuhälter abgeben müssen, Herr Luthe?!) Das ist Kapitalismus und Frauenverachtung in Reinstkultur. Und er entblödete sich auch nicht, die Prostituierten der KuFü auch als “Berufsverbrecher” zu bezeichnen – einen Begriff, der ihnen schon im Dritten Reich anhaftete, bevor man sie wegen “asozialen Verhaltens” in die Konzentrationslager sperrte. Der Prostitutionsaussteigerin und Aktivistin Mimi vom Netzwerk Ella war das zuviel, deswegen hat sie ihm einen geharnischten Brief geschrieben. Lest selbst: “Sehr geehrter Herr Luthe, ich schreibe Ihnen als Sprecherin des Netzwerks Ella, einer unabhängigen Interessenvertretung für Frauen aus und in der Prostitution.Wir sind alle Frauen, die selbst Erfahrungen als Prostituierte gemacht …

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Mein Einstieg in die Prostitution

Autorin: Anna // Hallo. Ich bin Anna. Meine Geschichte ist folgende: Als ich 15 war hatte ich enorme Minderwertigkeitskomplexe und habe mich immer hässlich gefühlt. Das war die Zeit wo ich mich immer auf Social Media wie Instagram usw mit diesen „Instagrammodels“ verglichen habe. Ich dachte mir, wenn ein Mann die Wahl hätte zwischen mir und denen, jeder würde sich für die entscheiden. Man entscheidet sich also quasi nur für mich aus „Mangel an Gelegenheit“. Dazu muss ich sagen mein Vater hat meine Mutter betrogen und seit dem versuche ich alle Gründe aus dem Weg zu schaffen, wieso ein Mann mich betrügen könnte. Der Vater meines Ex-Freundes hat seine Ehefrau verlassen weil sie ihm zu alt war und er eine jüngere wollte. Das Aussehen war also Punkt 1 bei dem ich anfangen wollte, dass man mich deshalb nie verlässt. Ich wollte aussehen wie diese Models und dachte mir wie komme ich an soviel Geld dass ich mir 18 die ganzen Schönheitsops machen kann. Ich wollte alles – nasenop, Po Implantate, brustimplantate, lipfillers, wangenknochen filler, evtl. …

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Bitte bewerten Sie dieses Erlebnis!

Autorin: Susan // Stellen Sie sich vor, sie wachen morgens auf und es scheint ein ganz normaler Tag. Die Sonne scheint, sie trinken Kaffee, machen sich auf zur Arbeit und begeben sich an ihren Arbeitsplatz. Die Arbeit beginnt, sie tun ihr Bestes, tippen oder werkeln, pflegen oder gestalten, je nachdem, was sie eben so tun. Ab und an lockert ein netter Plausch mit Kollegen die Atmosphäre auf. Ist doch auch gut so, oder etwa nicht? Stellen Sie sich vor, sie kommen zufällig bei Ihrem Vorgesetzten vorbei. Sie sind der Überzeugung, dass dieser sie schätzt, ja, sie gehen auch davon aus, dass er halt auch nicht alles über sie weiß, was ganz gut so ist, denn schließlich geht es ihren Chef nichts an, wie lange sie auf dem Klo sind oder ein privates Gespräch führen am Telefon- was durchaus vorkommen kann. Sie haben die Möglichkeit ihren Chef von ihren Fähigkeiten zu überzeugen, ohne dass sie Gefahr laufen, den wunderbaren Kollegentratsch auf dem Flur untersagt zu bekommen. Sie wundern sich jetzt allerdings, dass ihr Chef sie doch …

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Im Hotelzimmer

Autorin: Ana // Als ich das erste Mal in dem Hotelzimmer stand, fühlte ich mich ausgeliefert. Jede Faser meines Körpers fühlte sich fremd an und ich hatte Angst einzelne Körperteile zu verlieren wenn ich nicht gut genug auf sie aufpassen würde. Als ich zum zweiten Mal in seiner Wohnung stand und mir erneut die Augen verbunden wurden, hatte ich das Gefühl mich für immer in der Dunkelheit zu verlieren. Mich für immer im endlosen Schwarz verstecken zu können. Nicht sehen zu müssen was er von mir verlangte und was er tat war meine Sicherheit, denn für das Fühlen war mein verloren gegangener Körper verantwortlich. Seit ich meinem Körper einen greifbaren Wert gegeben habe, seit ich ihn verkauft habe. Fühlt mein Körper sich so fremd an. Nicht mehr so als würde er zu mir gehören. Es fühlt sich so an als hätte ich die Verbindung zu meinem Körper damals in dem Hotelzimmer gelassen. Als würde mein Körper ein Jahr später, immer noch in dem Hotelzimmer, darauf warten von mir abgeholt zu werden. – Ana

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