Alle Artikel mit dem Schlagwort: Prostitutionsschutzgesetz

Die politischen Kämpfe und Überzeugungen der „Lobby“ und der AbolitionistInnen

Autorin: Sophie // Die Hurenbewegungen entstanden einst aus der Kritik an einer doppelmoralischen Gesellschaft, die einerseits in die Prostitution involviert ist, indem sie sie nutzt und auf sie baut, andererseits jedoch die in der Prostitution Tätigen für ihre Ausübung bestraft. Im Patriarchat wurde immer schon zwischen „Heiligen“ und „Huren“ unterschieden, von welchen die Heiligen diejenigen ehren- und schützenswerten Frauen sind, auf deren Unberührtheit der Ausdruck der Familienehre projiziert wird, die Huren hingegen sind das personifizierte Schandmal einer Gesellschaft. Jedoch wurden die „Huren“ von der katholischen Kirche und auch vorher im antiken Griechenland und Rom zwar stigmatisiert, aber geduldet. Bis zur Reformation gab es sogar Bischöfe, die selbst Bordelle betrieben, was man unter anderem durch ein Zitat vom heiligen Thomas von Aquin legitimierte, das besagt: „Die Prostitution in den Städten gleicht der Kloake im Palast; schafft die Kloake ab, und der Palast wird ein unreiner und stinkender Ort werden“. Dass der Klerus jedoch nicht Bordelle betrieb, um die öffentliche Ordnung zu bewahren, sondern einfach das politische und wirtschaftliche Machtmonopol, das die Kirche innehatte, zur eigenen Bereicherung …

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Stoppt die Prohibition in Deutschland!

Autorin: Viktoria // Die Situation in Bezug auf Pandemie und Prostitution spitzt sich immer mehr zu. Wir sind quasi über Nacht in der Prohibition “gestrandet”. Eine extrem gefährliche und besorgniserregende Entwicklung! Aus Untersuchungen über Prohibition ist bekannt, dass sie dazu führt, dass in 70 bis 90 Prozent aller Fälle nur Frauen bestraft werden. Ferner sind Machtmissbrauch, Erpressung und Gewalt gegen Frauen in der Prostitution an der Tagesordnung. 1. Beispiel: Karlsruhe droht mit Zwang bei Ausübung der Prostitution: “1. Prostitution und Sexkauf jeder Art wird verboten.Hinweise: Bei Zuwiderhandlungen gegen Ziffer 1 kann unmittelbarer Zwang angewendet werden.” 2. Beispiel: Bussgeld wird in NRW nur gegen Frauen verhängt, die Prostitution ausüben! Freier bleiben wieder mal verschont. NRW fährt Prohibition und ignoriert die besondere Situation der Frauen in der Prostitution. CoronaSchVO:“§ 3 Freizeit-, Kultur-, Sport- und Vergnügungsstätten(1) Der Betrieb der folgenden Einrichtungen und Begegnungsstätten sowie die folgenden Angebote sind untersagt:7. Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnliche Einrichtungen.§ 7 Handwerk, Dienstleistungsgewerbe(3) Dienstleistungen und Handwerksleistungen, bei denen ein Mindestabstand von 1,5 Metern zum Kunden nicht eingehalten werden kann (insbesondere von Friseuren, Nagelstudios, Tätowierern, …

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Ich habe mal gedacht, Prostitution wäre gut und super. Bis ich es selbst erlebt habe. Mein Einstieg

Autorin: Mary // Heutzutage liest man im Internet, sofern man in den richtigen, oder wohl eher falschen, Kreisen unterwegs ist, ein Haufen Zeug darüber, wie toll Prostitution ist. Dass es super ist, dass es solche Menschen gibt, dass es ein ganz normaler Job ist, wie auch Bäcker, Lehrer, Bauer oder irgendetwas anderes. Nur, dass es nicht gesellschaftlich akzeptiert ist. Dass man dafür sorgen muss, dass Prostituierte genauso als normal angesehen werden, wie andere Berufe. Dass sie genauso viel Respekt entgegengebracht bekommen.   Sex positivity, oder so, haben sie das genannt. Und ich stand auch total dahinter, damals. Als ich 16 war und nicht genug Geld hatte. Ich habe mir gedacht… Warum nicht? Es ist eine ganz normale Dienstleistung.   Warum ich nicht auch?   Es war auch viel zu einfach. Ich musste nicht mal suchen. Ich habe lediglich Bilder von mir in verschiedenen Facebook Gruppen hochgeladen und wollte am Anfang bloß Freunde finden, neue Kontakte knüpfen, die ähnliche, oder vielleicht sogar die gleichen Interessen hatten wie ich. Ich bekam einen Haufen Nachrichten. Viele davon einfach …

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“Fuck foward” vom Radio 1 Live (WDR) – eine Erwiderung von Susan

Autorin: Susan // Podcasts sind eine tolle Sache, um dem Hörer spannende Geschichten und bewegende Reportagen nahezubringen. Ich liebe sie und höre bei jeder Gelegenheit. Die letzten Sendungen allerdings ließen mich verzweifelt zurück: das Format “Fuck foward” vom Radio 1 Live (WDR) stellt sich ziemlich prostitutionsverherrlichend dar. Ist das gewollt? Völlig unkritisch werden Frauen interviewt, die dem Wunsch des Senders offenbar nahekommen, Prostitution als eine schöne Jobalternative dastehen zu lassen. Fakten zum schwedischen Modell und die harten Tatsachen der Prostitution (Gewalt, Zwang, Ausbeutung) werden totgeschwiegen. Ich habe daher einen Brief geschrieben, lest selbst: Sehr geehrtes Team von Radio 1Live, ich bin Susan vom Netzwerk Ella, einer unabhängigen und säkularen Interessensvertretung für Frauen aus und in der Prostitution. Wir sind die einzige Survivorinitiative in Deutschland und setzen uns für die Implementierung des nordischen Modells ein, welches bereits in anderen europäischen Ländern umgesetzt wird. Sexkauf ist von unserem Standpunkt aus betrachtet Gewalt, und zwar gegen die Frau, welche die sexuellen Handlungen gegen Geld für Freier erbringen muss. Niemals hat die Frau wirklich einen Handlungsspielraum und muss die …

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Prostitution als Geschäft

Autorin: Maya // Ich möchte im Folgenden erklären, warum Prostitution so lukrativ ist für den Staat, die Wirtschaft und auch für kriminelle Strukturen. Nicht lukrativ ist es für die Verlierer dieses Systems: die Prostituierten selbst. Dass Prostitution kriminelle bereichert muss ja nicht groß erklärt werden. Im Gegensatz zu anderen kriminellen Gütern / Dienstleistungen ist die Prostitution das Geschäft, was das geringste Risiko für Mafia und Zuhälter bedeutet: Für die Prostituierte muss oft nicht gezahlt werden, wie zB. für den Kauf von Drogen oder Waffen zum Weiterverkauf. Oft kommt sie “freiwillig” mit – mit der Hoffnung auf einen anständigen Job im hochgepriesenen Westen, weil sie sich in den Zuhälter verliebt hat, oder weil die Familie bitterarm ist und sie sich für diese opfern möchte / muss. Da ein Großteil der Prostituierten aus EU Ländern sind, insbesondere Rumänien, Bulgarien und Ungarn müssen keine Pässe gefälscht werden. Man nimmt sie einfach im Auto mit über die Grenze. Die Prostituierte bringt sofort – d.h. gleich am ersten Tag – Einnahmen ein. Auch eine Straße / ein Autobahnparkplatz reicht aus, …

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Das Leben nach der Prostitution: äußerlich angepasst, innen Gewitter

Autorin: Malina // Ich bin Malina, Anfang 20 und komme aus Wien. Ich möchte hier meine Erfahrungen mit Prostitution schildern, sowie meinen Ausstieg. Ursprünglich kommt meine Familie aus diversen Ecken Osteuropas und ich selbst habe in einem osteuropäischen Land die Kindheit und Jugend verbracht. Meine Familie war schwierig, Mein Vater hatte Probleme mit Alkohol und Aggression, meine Mutter war (auch deswegen) psychisch krank. Ich war ein ungeplantes Kind und meine biologischen Eltern hatten nicht wirklich die Ressourcen, sich um mich zu kümmern, an der emotionalen Bindung mangelte es bei uns auch. Ich wanderte vom Verwandten zu einer anderen Verwandten, Gewalt war bei uns Teil der familiären Struktur, psychisch, körperlich, intim. Bis zu meiner Pubertät war ich gebrochen. Jetzt weiß ich, dass wir keine Gläser sind und doch nicht so einfach zu brechen, aber ich habe mich auf jeden Fall so gefühlt: Ich war depressiv, fühlte mich wertlos, sah alles Schlechte als meine Fehler an. Große Teile meiner Jugend habe ich in einem Internat für Schülerinnen verbracht und musste die Herausforderungen des Alltags als Teenagerin irgendwie …

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Brief an Frauenministerin Giffey

Nachdem die Praktikantin von Frauenministerin Giffey uns auf unseren Brief vom Valentinstag mit einem Statement geantwortet hat, das den Status quo der Gesetzeslage in der Prostitution verteidigt, habe ich eine ausführliche Antwort verfasst, um auf die Missstände in der Prostitution aufmerksam zu machen. Nun husch husch zur Post, Briefmarke kaufen und ab in den Kasten damit ! (S.) Sehr geehrte Frau Giffey, vielen Dank für die Antwort auf meinen Brief zum Valentinstag. Ich bin Sophie vom Netzwerk Ella, ich war 8 Jahre in der Prostitution, und ich möchte auf die von Ihrer Praktikantin übermittelte E-Mail antworten. Natürlich habe ich vom ProstSchG erfahren und finde dieses in Teilen auch gut. Es könnte wirklich eine Chance sein, ein wenig mehr gegen Menschenhandel vorzugehen, aber die Betonung liegt hier auf „ein wenig“. Denn in der Realität ist es so, dass keine prostituierte Frau sich gern anmelden möchte. Wir vom Netzwerk Ella sind ein Zusammenschluss sowohl von Aussteigerinnen, als auch von Frauen, die noch in der Prostitution sind und die meisten von uns empfinden das ProstSchG als eine Methode, …

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Ein paar Gedanken über Hilfe

Autorin: Luise Kakadu // Keine Ahnung, was mich eben geritten hatte. Ich habe auf Sexseiten gestöbert. Ich weiß nicht wirklich, weshalb. Eigentlich wollte ich wohl nur gucken, wer und wieviele Frauen hier in meinem Ort und um mich herum in Not sind – glaube ich. Ob es hier Menschen gibt im „Gewerbe“, die vielleicht Hilfe bräuchten. Und ich hatte mich auch gefragt, wie das hier in diesem kleinen Ort wohl funktioniert mit der Meldepflicht; den „Aufklärungs- und Beratungsgesprächen“ und den Pflichten des Ordnungsamtes. Schon beim 3. Inserat hatte es mich geschüttelt. Brechreiz, Zorn, Traurigkeit und eine Flut von Gefühlen kamen über mich. Wie können Freier nur glauben, dass diese Frauen irgendetwas „freiwillig“ tun?! Wie kann ein Mann es schaffen sich einzureden, dass eine Frau die so aussieht, irgendwelchen Spaß, Freude oder gar Lust daran fühlen könnte, wenn er sie befummelt, belutscht, kratzt, kneift und fickt wie Vieh?! Nein, ich will die Frauen nicht abwerten, wenn ich sage, sie sähen soooo aus. Aber verdammt nochmal – eine glückliche, zufriedene, starke und seelisch gesunde Frau sieht verdammt …

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