Alle Artikel mit dem Schlagwort: Netzwerk Ella

Warum sind Freier Arschlöcher? – Teil 2

Autorin: Ronja Ich bin im Herbst 2017 aus der Prostitution ausgestiegen, doch erst jetzt habe ich die Kraft und auch den Rückhalt, meine Erfahrungen ehrlich zu reflektieren und mich für das Netzwerk Ella zu engagieren. Da ich diese Serie wichtig finde, möchte ich in meinem ersten Text an die von Huschke und Sophie bereits verschriftlichen Antworten darauf, warum Freier Arschlöcher sind, anknüpfen. Meinen allerersten und für lange Zeit einzigen Freier hatte ich im Jahr 2006. Aufgewachsen in einem von Alkoholmissbrauch, Gewalt und Morddrohungen geprägtem Elternhaus brach ich kurz vorher das Abitur und den Kontakt zu meinen Eltern ab. Ich hatte bereits eine Traumafolgestörung, die mir aber erst Jahre später bewusst werden sollte, und vor allem Bulimie, die auch finanziellen Druck mit sich brachte. Auch wenn ich im Jahr 2006 schon 20 Jahre alt war, lag auch mein erstes Mal noch nicht lange zurück, denn, vermutlich aus Angst vor Männern, die mein Vater mein ganzes bisheriges Leben lang schürte, war ich eine sogenannte Spätzünderin. Mein erstes Mal fand noch vor Abbruch des Abiturs statt – mit …

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Ellas erklären, warum Freier Arschlöcher sind. Eine Serie über die Erfahrung in der Prostitution. Teil 1: Sophie

Autorin: Sophie // Warum sind Freier Arschlöcher? Vor kurzem hat Huschke Mau einen Auszug aus ihrem Text über Freier gepostet. Am selben Tag beim Einkaufen habe ich mir unabhängig davon Gedanken über Freier gemacht. Es ging mir nahe, dass sich Freier in der Facebookgruppe des Frankfurter Bahnhofsviertels darüber austauschen, wann sie wieder zu Prostituierten gehen werden und wie sie diese benutzen möchten. Diese Konversation erinnerte mich an meine eigene Zeit im Bahnhofsviertel und daran, dass es auch im Escort nicht wirklich besser war. Aus diesem Grund dachte ich mir, dass wir Frauen vom Netzwerk Ella ja zusammen einen Text oder mehrere erstellen könnten, in dem verschiedene Frauen von ihren Erfahrungen berichten, die sie mit Freiern gemacht haben. Und damit meine ich nicht nur die Horrorerlebnisse. Denn auch die Freier, die einen vermeintlich „gut“ behandeln, sind misogyne Wichser. Weshalb das so ist, wird deutlich, wenn man das Erzählte der politischen Analyse unterzieht. Dieser Bericht ist nun von mir, Sophie. Ich war von meinem 14.-22. Lebensjahr in der Prostitution. Anfangs prostituierte ich mich noch nicht in Vollzeit, …

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Stoppt die Prohibition in Deutschland!

Autorin: Viktoria // Die Situation in Bezug auf Pandemie und Prostitution spitzt sich immer mehr zu. Wir sind quasi über Nacht in der Prohibition “gestrandet”. Eine extrem gefährliche und besorgniserregende Entwicklung! Aus Untersuchungen über Prohibition ist bekannt, dass sie dazu führt, dass in 70 bis 90 Prozent aller Fälle nur Frauen bestraft werden. Ferner sind Machtmissbrauch, Erpressung und Gewalt gegen Frauen in der Prostitution an der Tagesordnung. 1. Beispiel: Karlsruhe droht mit Zwang bei Ausübung der Prostitution: “1. Prostitution und Sexkauf jeder Art wird verboten.Hinweise: Bei Zuwiderhandlungen gegen Ziffer 1 kann unmittelbarer Zwang angewendet werden.” 2. Beispiel: Bussgeld wird in NRW nur gegen Frauen verhängt, die Prostitution ausüben! Freier bleiben wieder mal verschont. NRW fährt Prohibition und ignoriert die besondere Situation der Frauen in der Prostitution. CoronaSchVO:“§ 3 Freizeit-, Kultur-, Sport- und Vergnügungsstätten(1) Der Betrieb der folgenden Einrichtungen und Begegnungsstätten sowie die folgenden Angebote sind untersagt:7. Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnliche Einrichtungen.§ 7 Handwerk, Dienstleistungsgewerbe(3) Dienstleistungen und Handwerksleistungen, bei denen ein Mindestabstand von 1,5 Metern zum Kunden nicht eingehalten werden kann (insbesondere von Friseuren, Nagelstudios, Tätowierern, …

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Ich habe mal gedacht, Prostitution wäre gut und super. Bis ich es selbst erlebt habe. Mein Einstieg

Autorin: Mary // Heutzutage liest man im Internet, sofern man in den richtigen, oder wohl eher falschen, Kreisen unterwegs ist, ein Haufen Zeug darüber, wie toll Prostitution ist. Dass es super ist, dass es solche Menschen gibt, dass es ein ganz normaler Job ist, wie auch Bäcker, Lehrer, Bauer oder irgendetwas anderes. Nur, dass es nicht gesellschaftlich akzeptiert ist. Dass man dafür sorgen muss, dass Prostituierte genauso als normal angesehen werden, wie andere Berufe. Dass sie genauso viel Respekt entgegengebracht bekommen.   Sex positivity, oder so, haben sie das genannt. Und ich stand auch total dahinter, damals. Als ich 16 war und nicht genug Geld hatte. Ich habe mir gedacht… Warum nicht? Es ist eine ganz normale Dienstleistung.   Warum ich nicht auch?   Es war auch viel zu einfach. Ich musste nicht mal suchen. Ich habe lediglich Bilder von mir in verschiedenen Facebook Gruppen hochgeladen und wollte am Anfang bloß Freunde finden, neue Kontakte knüpfen, die ähnliche, oder vielleicht sogar die gleichen Interessen hatten wie ich. Ich bekam einen Haufen Nachrichten. Viele davon einfach …

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Solidarität mit wem?

Autorin: Mimi // Die Polizei und Behörden sollen für prostituierte Frauen die erste Anlaufstelle sein- ob bei Problemen oder Beratungsansprüchen, der deutsche Staat garantiert den Frauen Schutz und Informationen. Soweit so gut. Wir als prostituierte Frauen, dass das nur bedingt der Wahrheit entspricht: Repressalien der Behörden sind an der Tagesordnung, der unterschwellige Generalverdacht zeigt sich bei fast jeder Kontrolle durch Finanzamt oder Polizei, ein leicht angewidertes Gesicht ist beim Betreten der Etablissements keine Seltenheit. Wir vom Netzwerk Ella kennen uns gut aus mit behördlichen Auflagen und Bestimmungen und jeder, der in der Bundesrepublik lebt, weiß wie groß bürokratische Hürden sein können. Wie schwer es ist, einen Brief vom Amt zu verstehen, wie schwer es ist, seine Rechte zu kennen, alles zu durchblicken und zur rechten Zeit richtig zu reagieren. Eine Vielzahl von Gesetzen ermöglicht oft kein spontanes Handeln- man braucht einen gewissen Durchblick. In anderen Ländern ist die Polizei ganz anders drauf: Korruption und Seilschaften geben sich die Klinke in die Hand. Auch die Bewohner der jeweiligen Länder haben Kenntnis darüber, und kooperieren aus Angst …

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“Fuck foward” vom Radio 1 Live (WDR) – eine Erwiderung von Susan

Autorin: Susan // Podcasts sind eine tolle Sache, um dem Hörer spannende Geschichten und bewegende Reportagen nahezubringen. Ich liebe sie und höre bei jeder Gelegenheit. Die letzten Sendungen allerdings ließen mich verzweifelt zurück: das Format “Fuck foward” vom Radio 1 Live (WDR) stellt sich ziemlich prostitutionsverherrlichend dar. Ist das gewollt? Völlig unkritisch werden Frauen interviewt, die dem Wunsch des Senders offenbar nahekommen, Prostitution als eine schöne Jobalternative dastehen zu lassen. Fakten zum schwedischen Modell und die harten Tatsachen der Prostitution (Gewalt, Zwang, Ausbeutung) werden totgeschwiegen. Ich habe daher einen Brief geschrieben, lest selbst: Sehr geehrtes Team von Radio 1Live, ich bin Susan vom Netzwerk Ella, einer unabhängigen und säkularen Interessensvertretung für Frauen aus und in der Prostitution. Wir sind die einzige Survivorinitiative in Deutschland und setzen uns für die Implementierung des nordischen Modells ein, welches bereits in anderen europäischen Ländern umgesetzt wird. Sexkauf ist von unserem Standpunkt aus betrachtet Gewalt, und zwar gegen die Frau, welche die sexuellen Handlungen gegen Geld für Freier erbringen muss. Niemals hat die Frau wirklich einen Handlungsspielraum und muss die …

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Prostitution als Geschäft

Autorin: Maya // Ich möchte im Folgenden erklären, warum Prostitution so lukrativ ist für den Staat, die Wirtschaft und auch für kriminelle Strukturen. Nicht lukrativ ist es für die Verlierer dieses Systems: die Prostituierten selbst. Dass Prostitution kriminelle bereichert muss ja nicht groß erklärt werden. Im Gegensatz zu anderen kriminellen Gütern / Dienstleistungen ist die Prostitution das Geschäft, was das geringste Risiko für Mafia und Zuhälter bedeutet: Für die Prostituierte muss oft nicht gezahlt werden, wie zB. für den Kauf von Drogen oder Waffen zum Weiterverkauf. Oft kommt sie “freiwillig” mit – mit der Hoffnung auf einen anständigen Job im hochgepriesenen Westen, weil sie sich in den Zuhälter verliebt hat, oder weil die Familie bitterarm ist und sie sich für diese opfern möchte / muss. Da ein Großteil der Prostituierten aus EU Ländern sind, insbesondere Rumänien, Bulgarien und Ungarn müssen keine Pässe gefälscht werden. Man nimmt sie einfach im Auto mit über die Grenze. Die Prostituierte bringt sofort – d.h. gleich am ersten Tag – Einnahmen ein. Auch eine Straße / ein Autobahnparkplatz reicht aus, …

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Das Leben nach der Prostitution: äußerlich angepasst, innen Gewitter

Autorin: Malina // Ich bin Malina, Anfang 20 und komme aus Wien. Ich möchte hier meine Erfahrungen mit Prostitution schildern, sowie meinen Ausstieg. Ursprünglich kommt meine Familie aus diversen Ecken Osteuropas und ich selbst habe in einem osteuropäischen Land die Kindheit und Jugend verbracht. Meine Familie war schwierig, Mein Vater hatte Probleme mit Alkohol und Aggression, meine Mutter war (auch deswegen) psychisch krank. Ich war ein ungeplantes Kind und meine biologischen Eltern hatten nicht wirklich die Ressourcen, sich um mich zu kümmern, an der emotionalen Bindung mangelte es bei uns auch. Ich wanderte vom Verwandten zu einer anderen Verwandten, Gewalt war bei uns Teil der familiären Struktur, psychisch, körperlich, intim. Bis zu meiner Pubertät war ich gebrochen. Jetzt weiß ich, dass wir keine Gläser sind und doch nicht so einfach zu brechen, aber ich habe mich auf jeden Fall so gefühlt: Ich war depressiv, fühlte mich wertlos, sah alles Schlechte als meine Fehler an. Große Teile meiner Jugend habe ich in einem Internat für Schülerinnen verbracht und musste die Herausforderungen des Alltags als Teenagerin irgendwie …

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Warum die legalisierte Prostitution Prostituierte kriminalisiert

Autorin: Sophie // Ich bin Sophie vom Netzwerk Ella, einer Interessensvertretung für Frauen aus der Prostitution, die sich für das Nordische Modell einsetzt. Vor drei Jahren habe ich den Ausstieg geschafft, nachdem ich von meinem 14. bis zum 22. Lebensjahr in der Prostitution war. Wir vom Netzwerk Ella waren oder sind alle selbst in der Prostitution und haben erkannt, dass der Kauf von Sex Gewalt ist. Aus diesem Grund fordern wir ein Sexkaufverbot und Ausstiegshilfen für Frauen, die aktuell in der Prostitution sind, sowie gesellschaftliche Aufklärung und die Entkriminalisierung der prostituierten Frauen. Von der Pro-Prostitutionslobby wird uns im Zuge dieser Debatte häufig vorgeworfen, dass wir uns für eine Kriminalisierung der Prostituierten einsetzten, was ein unsolidarischer Akt sei. Dieser Vorwurf ist schlichtweg falsch und nichts weiter als ein Schachzug aus der Trickkiste der Schwarzen Rhetorik. Das Gegenteil ist der Fall: Das Nordische Modell ist die Entkriminalisierung der prostituierten Frau (Männer sind natürlich mitgemeint!) und im Gegensatz dazu ist die legalisierte Prostitution ihre Kriminalisierung. Warum das so ist, möchte ich anhand von einigen Beispielen erklären. Häufig argumentieren …

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Brief an den innenpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Martin Luthe

Autorin: Mimi // Der FDPler Martin Luthe hat angefragt, warum “so wenig” Prostituierte in Berlin Steuern abführen – nämlich nur 50.000 Euro im Monat. Das ist ihm zuwenig. Er beklagte im Artikel in der Berliner Morgenpost, vor allem auf dem Strassenstrich Kurfürstenstrasse würden Steuern hinterzogen. Es ist absurd, dass ihn an diesem Elends-, Baby- und Drogenstrich nicht etwa die offensichtliche Zwangsprostitution stört, sondern, dass die dort ausgebeuteten Frauen keine Steuern abführen. (Vielleicht, weil sie alles ihrem Zuhälter abgeben müssen, Herr Luthe?!) Das ist Kapitalismus und Frauenverachtung in Reinstkultur. Und er entblödete sich auch nicht, die Prostituierten der KuFü auch als “Berufsverbrecher” zu bezeichnen – einen Begriff, der ihnen schon im Dritten Reich anhaftete, bevor man sie wegen “asozialen Verhaltens” in die Konzentrationslager sperrte. Der Prostitutionsaussteigerin und Aktivistin Mimi vom Netzwerk Ella war das zuviel, deswegen hat sie ihm einen geharnischten Brief geschrieben. Lest selbst: “Sehr geehrter Herr Luthe, ich schreibe Ihnen als Sprecherin des Netzwerks Ella, einer unabhängigen Interessenvertretung für Frauen aus und in der Prostitution.Wir sind alle Frauen, die selbst Erfahrungen als Prostituierte gemacht …

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