Alle Artikel mit dem Schlagwort: Netzwerk Ella

Stundenlohn

Autorin: Ronja // Ein Text an die Freier, die mir Sätze wie „Von deinem Stundenlohn können andere nurträumen!“ an den Kopf warfen: „Von deinem Stundenlohn können andere nur träumen!“ – ein Satz, der mir bis heute im Ohrgeblieben ist, weil ich ihn öfter von Männern deiner Sorte hörte. Heute macht es mich so wütend.Denn du hast mir diesen Satz an den Kopf geknallt, weil du etwas erreichen wolltest.Du wolltest mich damit beleidigen oder verunsichern, mir ein schlechtes Gewissen machenund so mehr Zeit herausholen oder weniger zahlen oder mich doch zu einem meiner Tabusüberreden.Denn von meinem Stundenlohn könnten andere ja nur träumen!Perfide daran ist auch, dass Typen wie du das wohl jeder an den Kopf knallen.Einer, die tatsächlich einen dreistelligen Stundenlohn verlangt.Aber auch denen, die sich auf der Straße für Zwanzig Euro oder noch weniger anbietenmüssen. Und perfide ist auch, dass es wirklich in mir gewirkt hat.Es hat mir ein schlechtes Gewissen gemacht.Ich habe bald selbst geglaubt, dass ich die 80 oder 100 Euro, die ich für eine Stunde mit dirgenommen habe, nicht „verdiene“.Ich hab damals …

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Survivor testimony for the SR VAWG‘s report on violence against women and prostitutionsubmitted by Pani K., survivor of prostitution and sexual exploitation.[1]

Autorin: Pani K.// “How is the issue of consent dealt with? Is it possible to speak about meaningful consent for prostituted women and girls?” Consensus means that everyone involved wants the same thing and has given their valid consent. Consensus is neither a compromise nor a deal! Consent to sexual activities must be given out of one’s own volition, without external influence. It must be personally and expressly communicated and acknowledged before the sexual activities. Consent must continue to exist during the sexual activities and is freely revocable. If negative consequences are to be feared or expected in the event of revocation, consent does not exist. It can be both specific and conditional and cannot be given retrospectively.[2] Consent is invalid if:1. the person is incapable of giving consent (due to alcohol, drugs, sleep…).2. there is a lack of will (due to error, deception…).3. there is a lack of knowledge (What will happen? What are the possible consequences?..).4. distress is exploited (homelessness, hunger, illness…).5. coercion is present (threat, “will-bending” violence).6. force is present (“will-breaking” violence).7. …

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Input to the report of the Special Rapporteur on violence against women and girls to the Human Rights Council on prostitution and violence against women and girls submitted by Netzwerk Ella

Netzwerk Ella is a network of women who were or are in prostitution. It was founded to give women in and after prostitution a platform and a voice. We do not profit from third-party prostitution and do not co-operate with profiteers in the sex industry or their representatives. As an independent organisation of affected women, our network is the voice of those who are not represented by organisations that advocate prostitution and pornography. We demand that prostitution be abolished as a system of sex-based violence, oppression and exploitation that particularly affects women and girls. Some of the questions asked by the special rapporteurs are addressed below:* 1. Provide examples of the hidden forms of prostitution, and explain to what extent they are recognized and dealt with as such? 28,278 persons in Germany were validly registered according to the Prostitutes Protection Act at the end of 2022. [1] However 200,000 to 400,000 prostitutes are estimated. [2, 3] Most prostitution is therefore already hidden, unregistered and illegal. Often remains invisible in the political discussion, and affected persons …

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Absurde Versprechen für Camgirls – und keiner sagt, wie es wirklich ist!

Autorin: © Jara Anouk // Da ich mich zu Beginn dagegen wehrte, anschaffen zu gehen, überredete mich mein Loverboy (in meinen Augen ein zu sanft gewähltes Wort für Zuhälter) dazu, mich auf einschlägigen Amateur- Camgirl-Seiten zu versuchen. Das jene Seiten ein wahres Sprungbrett für Pornofilme und Prostitution sind, ahnte ich nicht. Und auch nicht, wie demütigend das werden wird und wie sehr meine Psyche Schaden davon trägt. Ich dachte: Ein bisschen ausziehen und mit dem Hintern wackeln für Männer, die anonym vor einer Cam sitzen, sei leichtes Spiel. Immerhin wird genau das in TV-Spots und im Internet suggeriert. Ein paar Stunden als Camgirl in der Woche oder im Monat und Du verdienst gutes Geld. Eine Verlockung, der viele Mädchen und Frauen folgen, schaut man sich die zahlreichen Seiten einschlägiger Anbieter an. Doch die harte Realität ist eine ganz andere. Tagtäglich saß ich stundenlang in einem Raum vor drei Bildschirmen mit jeweils einer anderen Camgirlseite. Denn nur die Masse an Seiten, auf denen du dich täglich stundenlang präsentierst, bringt Geld. Ein bisschen ausziehen und Popowackeln? Fehlanzeige. …

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Ein Radio-Interview, dass ich gerne geführt hätte und das es so nie gab…

Autorin: Pani K. 1. Frage: Was ist Netzwerk Ella? Pani K.: Netzwerk Ella ist ein Zusammenschluss von Frauen, die in Prostitution waren oder sind. [1] Huschke Mau hat es im Januar 2018 gegründet, um Frauen aus Prostitution eine Plattform und eine Stimme zu geben. Unsere Survivor-Organisation ist einzigartig in Deutschland und verdient eine besondere Würdigung, weil es für Frauen in oder nach Prostitution immer noch sehr schwierig ist, passende Hilfe und Unterstützung zu finden. Mittlerweile haben sich mehr als 60 Frauen im Netzwerk Ella zusammen gefunden und die Resonanz ist positiv. Unser Schwerpunkt ist Hilfe zur Selbsthilfe. Wir profitieren nicht von Prostitution Dritter und kooperieren nicht mit Profiteuren der Sex-Industrie oder deren VertreterInnen. Als unabhängige Interessenvertretung von Frauen aus Prostitution ist Netzwerk Ella das Sprachrohr für diejenigen, die keine Stimme haben, kein Gehör finden oder von Organisationen, die Prostitution und Pornografie befürworten, nicht repräsentiert werden. Unser Fokus liegt auf der Situation der Frauen in und nach der Prostitution, daher ist unsere Arbeit geschlechts-spezifisch und frauen-zentriert. Aktivistinnen des Netzwerks Ella engagieren sich ehrenamtlich im In- und …

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Die Basics – Teil 6

Viele Wege führen in die Prostitution. Mit Aufkommen von Angeboten wie Online Coachings “für eine erfolgreiche Karriere auf OnlyFans!” werden in Zukunft sicherlich weitere Wege erschlossen werden. Was für eine „Errungenschaft“ unserer Gesellschaft… Und es gibt wirklich viele Wege. Der Hauptweg, quasi die Achterbahn ins Milieu, ist sexueller Missbrauch in der Kindheit. Zusätzlich gibt es unzählige Seiten- und Landstraßen, zum Beispiel andere Kindheitstraumata, Gewalterfahrungen oder Armut. Nicht zu vergessen natürlich: Zwangsprostitution verschiedenster Art (Menschenhandel kennt übrigens weder Landes- noch Altersgrenzen). Einmal in der Prostitution angekommen, wird der eigene Körper zur Ware. Männer bezahlen und erhalten den Zugriff auf dich und deinen Körper. Wie wir gesehen haben, glauben knapp 40% der Freier, deinen Körper völlig uneingeschränkt benutzen zu “dürfen”. Und nur wenige Prozentpunkte weniger, dass Vergewaltigung kein Konzept ist, das auf dich zutrifft. “Ich hab dich nicht vergewaltigt, du bist doch nur ne Nutte” ist ein Satz, den so oder so ähnlich sicher schon viele Prostituierte gehört haben. Wenn du Glück hast, hört dein Körper schnell auf, mitzumachen. Du spürst kaum noch etwas, dein Kopf fühlt …

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Die Basics, Teil 5

Heute schauen wir uns die Seite der Freier an. Keine Argumentation, nur Fakten. Auszüge Untersuchung 1:Männer in Deutschland, die für Sex zahlen – und was sie uns über das Scheitern der legalen Prostitution beibringen: ein Bericht über das Sexgewerbe in 6 Ländern aus der Perspektive der gesellschaftlich unsichtbaren Freier Zusammenfassung Methode: Umfrage, 763 Sexkäufer insgesamt, davon 96 aus Deutschland; anonyme Interviews; qualitative und quantitative Daten Zitate von befragten Freiern: – „In Deutschland sind die Gesetze nicht so wirksam; man kann fast alles machen, was man will. Es sieht aus, als hätte alles seine Ordnung, aber das sind nur Worte.“ -„Sie war gezwungen. Ich konnte es an ihrem Verhalten sehen: sie hatte keinen Willen. Sie war da wie eine Sexmaschine. Ich hatte trotzdem mit ihr Sex weil ich dafür bezahlt habe.“ -„Die Prostituierte steht unter der Fuchtel des Zuhälters. Sie ist sein Eigentum.“ Umfrageergebnisse, spezifisch Deutschland: – 55% gaben zu, einen Zuhälter oder Menschenhändler beobachtet oder bezahlt zu haben; 62% haben Menschenhandel vermutet; nur 1% haben Menschenhandel den Behörden gemeldet. – 35% der befragten deutschen Freier …

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Die Basics, Teil 4

In Teil 2 haben wir darüber gesprochen, wie Sprache Debatten verzerren kann. Als Beispiel haben wir die Begriffe „Zuhälter“ und „Bordellbetreibender“ gegenübergestellt. Hier nochmal zur Erinnerung: Als „Bordellbetreibenden“ kann ich mir den freundlichen Nachbarn Peter vorstellen, der mehr oder weniger selbstständigen Frauen Räumlichkeiten bietet, damit diese ihrer Tätigkeit nachgehen können. Wenn ich über Missstände nachdenke, frage ich mich, ob Peter die Räumlichkeiten in Ordnung hält und vielleicht ab und zu auch mit den Frauen spricht. Denke ich an den „Zuhälter“ Peter, habe ich ein ganz anderes Bild. Der „Zuhälter“ Peter heißt wahrscheinlich gar nicht Peter, das ist nur ein Pseudonym. Von diesem Peter erwarte ich unechten Charme, um Frauen um den Finger zu wickeln, und dann Gewaltbereitschaft, um sie gefügig zu halten, sobald sie einmal für ihn arbeiten. Emotionale Kälte, sich jederzeit zu „nehmen was ihm gehört“. Wenn ich über Missstände nachdenke, denke ich an Ausbeutung, an Manipulation und Gewalt und Vergewaltigung, an Menschenhandel, Zwangsprostitution und an Minderjährige, denen Peter sagt, sie sollen behaupten sie seien 18. Außer bei manchen Kunden, denen sie ihr wahres …

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Die Basics Teil 3

Ursprünglich sollte dieser Text einen Überblick geben über die internationalen Abkommen und Menschenrechtskonventionen, die für Prostitution relevant sind. Aber um das Verhältnis von Menschenrechten und Prostitution zu verstehen, braucht es keine seitenlangen Abhandlungen. Denn es gibt da diesen einen Satz: Ein einzelner, kurzer Satz, der das exakte Gegenteil von Prostitution beschreibt. Und der reicht aus. Er beschreibt das Gegenteil davon, wenn einem nachts im Winter der Zuhälter die Jacke abnimmt. Davon, sich im Anschluss für 40€ gegen eine vereiste Mauer ficken zu lassen, um Essen auf den Tisch zu bekommen. Im Wissen, dass von diesen 40€ keine 40€ für Essen übrig bleiben. Das Gegenteil davon, von der Gnade des “Bordellbetreibenden” abhängig zu sein für jede Mahlzeit, jeden Arztbesuch. Weil man die Landessprache nicht spricht, die Gesetzeslage nicht kennt – womöglich nicht mal weiß, wo genau man sich befindet. Die Kunden scheinen es komischerweise nicht zu hinterfragen, wenn die “Sexarbeiterin” sie kaum versteht oder nur auf Englisch kommuniziert. Wenn sich Zuhälter “ihre” Frauen nehmen, wann immer sie Lust dazu haben, wird das im Milieu meist nicht …

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Die Basics, Teil 2

Sprache ist etwas Merkwürdiges. Sie hilft uns, Dinge klar zu benennen, Konzepte abzugrenzen und eine gemeinsame Diskussionsbasis zu finden. Richtig eingesetzt, kann sie Brücken schlagen selbst zwischen den abgelegensten, voneinander entferntesten Positionen. Aber sie kann auch das Gegenteil erreichen. Wenn Sprache zu reinen rhetorischen Kampfmitteln verkümmert und Argumente vorrangig dazu aufgeführt werden, um inhaltsleere Worte anstelle der eigentlichen Debatte mit Bedeutung zu füllen. Ad absurdum geführt wird es dann, wenn wir uns nur noch unterschiedliche Begrifflichkeiten entgegenschreien – die eine ruft „Es heißt Bordellbetreibende!“ die andere „Das sind aber Zuhälter!“. Als „Bordellbetreibenden“ kann ich mir den freundlichen Nachbarn Peter vorstellen, der mehr oder weniger selbstständigen Frauen Räumlichkeiten bietet, damit diese ihrer Tätigkeit nachgehen können. Wenn ich über Missstände nachdenke, frage ich mich, ob Peter die Räumlichkeiten in Ordnung hält und vielleicht ab und zu auch mit den Frauen spricht. Denke ich an den „Zuhälter“ Peter, habe ich ein ganz anderes Bild. Der „Zuhälter“ Peter heißt wahrscheinlich gar nicht Peter, das ist nur ein Pseudonym. Von diesem Peter erwarte ich unechten Charme, um Frauen um den …

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